Seien Sie mir gegrüßt

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Meine Mutter und ich, im Sommer 2010 im Chinesischen Garten in Weißensee (Thüringen)

So hat es meine Mutter Ingrid Sander an besonders schönen Tagen den Menschen, die ihr begegneten, immer fröhlich entgegen und hinterher “geschmettert”. Schöne Tage waren bei ihr immer die Tage, an denen sie ihre Schmerzen im Griff hatte.

Also, seien Sie mir gegrüßt, liebe Leserinnen und liebe Leser! Ich freue mich, dass Sie hierher gefunden haben. Mein Name ist Olaf Sander, ich bin 45 Jahre alt und lebe, liebe und arbeite zur Zeit in Dänemark.

In diesem Blog geht es um den selbstbestimmten Suizid meiner Mutter. Und in der Folge um die Auferlegung einer im Normalfall unmöglich zu lösenden Aufgabe vom Gesetzgeber an mich, ihren Sohn. Denn nur ich – ausgerechnet nur ich! – durfte meiner Mutter straffrei passiv beim Sterben helfen.

Deshalb erzähle ich hier “meine” Sterbegeschichte. Ich möchte meine Erfahrungen, Sorgen, Nöte und Ängste, also die Herausforderungen bei meiner Sterbebegleitung schildern, die ich nur deshalb geschafft habe, weil mir meine Mutter dabei, über ihren Tod hinaus, geholfen hat.

Mein Anliegen mit diesem Blog, der sich mit dem Sterben beschäftigt, ist es den Lebenden etwas zu geben. Etwas Hoffnung vielleicht. Gewissheit und ein bisschen mehr Gelassenheit wären auch nicht schlecht. Vor allem aber möchte ich gerne das Gefühl vermitteln, dass Sterbewillige und ihre Angehörigen mit ihren Problemen nicht alleine sind. Weil das so eine enorme Bedeutung für die eigene Standhaftigkeit hat.

Was mir auch wichtig ist und von dem ich sehr hoffe, dass es mir gelingen möge, sind die Widersprüche meiner Erfahrungen aufzuzeigen, und vielleicht sogar, falls das möglich ist, sie aufzuklären. Denn zwischen den Reden und Aussagen von Politikern, manchen Ärzten und Sterbehilfegegnern und der Realität, wie ich sie erlebt habe, gibt es eklatante Unterschiede. Ohne Zweifel hat der § 217 StGB mein Leben verändert. Leichter gemacht hat er es mir nicht.

Davon möchte ich erzählen. Darüber möchte ich gerne sprechen. Gerne auch mit Ihnen. Denn wer weiß, vielleicht geht oder ging es Ihnen ja genauso oder so ähnlich wie mir. Wenn es so ist, und auch wenn nicht, freue ich mich auf Sie und das, was Sie übers Sterben zu erzählen haben. Schauen Sie sich bitte um und nehmen Sie sich ruhig ein bisschen Zeit zum Lesen, Zuhören, Nachdenken und Nachfühlen. Und falls Sie mir schreiben wollen: Nur zu! Ich freue mich.

Also herzlich Willkommen auf sterbegeschichten.de und

seien Sie mir gegrüßt!

Olaf Sander

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